Bevölkerung

Das Nationale Statistikamt zählte bei der letzten Volkszählung 2013 eine Bevölkerungszahl von 13,51 Millionen mit einem durchschnittlichen Bevölkerungswachstum von rund 2,7 %. Schätzungen gingen für das Jahr 2020 von einer Bevölkerungszahl von 15,74 Mio. und einem Bevölkerungswachstum von 2,31 % pro Jahr aus.

Die größte Stadt des Landes ist die Hauptstadt Dakar (geschätzte Einwohnerzahl im Großraum ca. 3 Mio. Einw.), deren unkontrollierte Stadtentwicklung sich durch die jahrzehntelange Abwesenheit von stadtplanerischen Bemühungen auszeichnet. Inzwischen wird versucht, die einzige «grüne Lunge» Dakars, den Wald von Mbao, der sich im Zentrum der Stadt befindet und der z.T. auch ackerbaulich genutzt wird, verstärkt zu schützen und damit dem Stadtbild zu erhalten.

Weitere größere Städte sind Thies, Diourbel, die „heilige“ Stadt der muslimischen Bruderschaft der Mouriden Touba, Kaolack, Mbour, St. Louis und Ziguinchor.

Verkehrsinfrastruktur

Der Senegal ist traditionell ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt zwischen Afrika, Europa und Amerika, mit einer für westafrikanische Verhältnisse recht gut ausgebauten Infrastruktur.

Nach ständigen Rückschlägen, Finanzierungsschwierigkeiten und immer wieder verschobener Inbetriebnahme eröffnete nach zehn Jahren Bauzeit im Dezember 2017 der neue internationale Flughafen von Dakar «Aéroport International Blaise Diagne«. Mit diesem neuen Großflughafen erhofft sich der Senegal zu einem Hub im Flugverkehr für ganz Westafrika zu werden.

Der neue Flughafen liegt 45 km südöstlich von Dakar und löste den auf der Halbinsel Cap Vert gelegenen und fünfmal kleineren Flughafen Léopold Sédar Senghor ab, der den steigenden Passagierzahlen und Frachtraten nicht mehr genügte und mit seiner rudimentären Infrastruktur und Komfortmängeln regelmäßig zu den am schlechtesten bewerteten Flughäfen weltweit gewählt wurde.

Nach einer längeren Unterbrechung des senegalesischen Binnenflugverkehrs nach dem Konkurs der nationalen Fluglinie Air Senegal wurde 2011 die neue Fluglinie Senegal Airlines gegründet, die die alleinigen Streckenrechte im Land erhielt. Im April 2016 ereilte Senegal Airlines jedoch das gleiche Schicksal wie die nationale Vorgängerin und ging in Konkurs. Air Senegal wurde im Jahr 2016 neugegründet und sollte eigentlich parallel zur Inbetriebnahme des neuen Flughafens seinen Flugbetrieb aufnehmen, bekam aber erst Ende April 2018 seine Lizenz und bedient erst wenige Inlandsstrecken.

Der Dakarer Hafen ist einer der wichtigsten der Region, doch auch die für den Hafen vorgesehene Sanierung und Modernisierung wird ständig verschoben.

Das einst gut ausgebaute und befahrene Eisenbahnnetz ist heute in einem sehr schlechten Zustand, es gab bis Anfang 2019 nur mehr 2 funktionierende Zugstrecken im Senegal: einen Pendlerzug in die Dakarer Vorstädte und die Bahnverbindung Dakar-Thiès (70 km). Im Januar 2019 wurden die ersten 36 km der Regionalschnellbahn eingeweiht, die Dakar mit dem neuen Flughafen 45 km außerhalb   der Stadt verbindet.

Der einst legendäre Dakar-Niger-“Express“, der die beiden Hauptstädte Dakar und Bamako verband, verkehrt seit 2010 nicht mehr. Die Bahnstrecke wurde im frühen 20. Jh. von der französischen Kolonialmacht fertig gestellt. In der Regel benötigte der Zug, der noch auf Schmalspurbreite geführt wird, für die etwa 1.000 km lange Strecke zwischen 24 und 36 Stunden. Dennoch war die Zugverbindung für den (Individual-)handel in der Region enorm wichtig. 2003 wurde der Betrieb der Strecke an das frankokanadische Konsortium Transrail übergeben und seit 2010 verkehrt der Zug nicht mehr auf der senegalesischen Teilstrecke. Unter Macky Sall wird immer öfter von der Rehabilitierung der Bahnstrecke gesprochen.

Das Straßennetz ist schlecht ausgebaut und in schlechtem Zustand, sein Ausbau und Instandsetzung ist eine Priorität der Regierung und einiger Geber. Im Vorfeld des islamischen Gipfels 2008 entstanden in Dakar neue Straßen, Brücken und Tunnels, die den innerstädtischen Verkehr erleichtern. Eine 34 km lange Mautautobahn macht das Cap Vert, die ehemals grüne Halbinsel, auf der Dakar liegt, seit 2013 dem Rest des Landes wieder besser zugänglich. Zuvor war die Halbinsel nur mittels eines einzigen Verkehrsweges erreichbar und eine Fahrt in die Hauptstadt oft mit stundenlangen Staus verbunden. Eine weitere mautpflichtige Verbindung zwischen Dakar und dem neuen Flughafen außerhalb der Stadt befindet sich im Bau.

Menschenrechte

Der Senegal gilt als weitgehend demokratisches und stabiles Land, in dem die grundlegenden Menschenrechte geachtet werden. Im Zuge der bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen in der Casamance kam und kommt es jedoch seit den 80er Jahren immer wieder zu schweren Zwischenfällen. Amnesty International stellte in den letzten Jahren den Casamancekonflikt, den exzessiven Gewalteinsatz der Polizei bei Demonstrationen, Verstöße gegen die Meinungsfreiheit und die Verfolgung Homosexueller in den Vordergrund (die strafrechtliche Verfolgung Homosexueller nahm in den letzten beiden Jahren frappant zu und gewann v.a. eine große Medienresonanz). Beginnend mit dem Jahr 2010 nahm Amnesty International auch 2016 und wieder 2017/18 zusätzlich die immer wieder kolportierenden Folterpraktiken von Militär (Region Casamance) und Polizei und die fehlende Strafverfolgung durch die senegalesische Justiz ins Visier.

Die Menschenrechtsorganisation RADDHO (Rencontre Africaine pour la Défense des Droits de l’Homme) sowie einige andere Organisationen, die sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen haben, verteidigen die Wahrung der Menschenrechte im Land.

Die Genitalverstümmelung von Mädchen ist seit 1999 gesetzlich verboten. Dennoch wird sie bis heute bei einigen Ethnien praktiziert. Die NGO Tostan ist mit ihrem Grassroots-Approach im Kampf gegen das Phänomen sehr erfolgreich, internationale Organisationen wie die UNICEF sind daran beteiligt.

Der Senegal hat die UN Kinderrechtskonvention ratifiziert, dennoch bleibt in diesem Bereich noch viel zu wünschen übrig. Kinderarbeit ist in den ärmsten Bevölkerungsschichten noch weit verbreitet und die Einschulungsraten lassen zu wünschen übrig.

Ein besonders heikles Problem sind die sog. Talibés, Koranschüler, die von ihren Eltern in die Obhut eines Islamlehrers übergeben werden und die von diesem von frühester Kindheit an zum Betteln auf die Straße geschickt werden. Immer wieder kommen Bilder von geschlagenen Kindern an die Öffentlichkeit. Das Thema ist durch die Nähe zur Religion und zu religiösen Bruderschaften jedoch höchst sensibel und wird in der senegalesischen Öffentlichkeit eher als ein Problem einzelner missratener Koranlehrer denn als ein grundlegendes gesellschaftliches Problem aufgegriffen. Im April 2010 hat ein Bericht von Human Rights Watch, der die Missstände, unter denen rund 50.000 Kinder  zu leiden haben, anprangert, großes nationales und internationales Medienecho hervorgerufen.

Kulturelle Vielfalt und ein friedliches interethnisches und -religiöses Miteinander zeichnet den Senegal aus. Bildungs- und Gesundheitswesen sind großen Schwierigkeiten ausgesetzt.

Alphabetisierte Erwachsene 51,9 % (2019, HDR)

Bedeutende Religionen Islam 95 %, Christentum 4 %

Städtische Bevölkerung 47,7 % (2019, HDR)

Lebenserwartung (w/m) 69,9 / 65,8 Jahre (2019, HDR)

Gender Inequality Index Rang 130 von 162 (2019, HDR)

Anzahl der Geburten 4,6 / Frau (2018, Weltbank)

Kindersterblichkeit 31,8 / 1000 Lebendgeburten (2019, HDR)

Ethnizität und Sprachen

Der Senegal ist von einer großen ethnischen und linguistischen Vielfalt geprägt. Auf senegalesischem Staatsgebiet leben mehr als 20 Ethnien mit einer entsprechenden Anzahl an Sprachen und untergeordneten Dialekten.

Die traditionellen Siedlungsgebiete hatten sich in verschiedenen Migrationsbewegungen in vorkolonialer Zeit herauskristallisiert und gefestigt. Heute kommt es durch die erneuten großen Migrationsbewegungen in den ländlichen Gebieten und vor allem in die Städte zu einer größeren Vermischung. Das friedliche Zusammenleben verschiedener Ethnien und Religionen ist generell ein Kennzeichen der senegalesischen Gesellschaft, dazu findet man heute in fast jeder Familie „eingeheiratete“ Mitglieder verschiedener Ethnien (wobei bestimmte Ethnien wie die Fulbe den reinen innerethnischen Zusammenhalt höher halten als andere).

Wie in vielen westafrikanischen Gesellschaften gibt es die „Scherzverwandtschaft» („parenté à plaisanterie“), ein traditionelles Mittel, Spannungen zu bereinigen. Mitglieder verschiedener Ethnien oder Familienclans (d.h. Träger desselben Familiennamens) bezeichnen sich gegenseitig als Sklaven oder mit pittoresken Schimpfwörtern.

Die Zahlenangaben zu den verschiedenen ethnischen Gruppierungen sind widersprüchlich, was aber auch daran liegt, dass sich die Zugehörigkeit aufgrund dieses Vermischungsgrades oft auch für die Betroffenen nicht mehr eindeutig definieren lässt. Genauso ist es bei der Bestimmung der Sprecherzahlen senegalesischer Sprachen, die Anzahl der tatsächlichen Sprecher ist oft wesentlich höher, weil Zählungen oft die Mehrsprachigkeit der einzelnen Sprecher nicht in Betracht ziehen.

Die zahlenmäßig größte ethnische Gruppe sind die Wolof, gefolgt von den pulaar/fulsprechenden Fulbe (im Senegal als Peulh bezeichnet) und Toucouleur (die im Senegal je nach Sichtweise als eine oder zwei verschiedene Ethnien gesehen werden).

Wolof leben originär lediglich im Senegal, in  Gambia und in Mauretanien, die Fulbe in verschiedenen Gruppierungen über ganz Westafrika verteilt. Weitere wichtige Ethnien sind die Serer, die in der Casamance ansässigen Diolas, und verschiedene Mandingo-Gruppierungen. Die zahlenmäßig sehr kleine Ethnie der Bassari (etwa 1 % der Gesamtbevölkerung) hat sich eine sehr ursprüngliche Lebensart in einem einstmals abgeschiedenen Hügelland bewahrt und wird heute mit ihren bunten Kleidern und Tänzen oft Touristen vorgeführt.

Die meisten senegalesischen Ethnien (eine Ausnahme sind etwa die Diolas in der Casamance) waren sozial streng stratifiziert und in ein kompliziertes Kastensystem unterteilt. Man wurde in diese Kasten hineingeboren, eine soziale Mobilität war unmöglich. Bei den Wolof z.B. gab es zunächst die grundsätzliche Unterscheidung zwischen Freien und Unfreien (Sklaven). 

Innerhalb der Freien gab es die Edelleute, die Bauern, Fischer und andere Nicht-Handwerker und die Handwerker (Schmiede, Lederarbeiter, Holzarbeiter und Weber). An der untersten Stelle dieser Leiter und gleichzeitig außerhalb standen die Griots, die Sänger und Geschichtenerzähler, die die Genealogie und Geschichte von Familien oder Dörfern überlieferten und gleichzeitig geächtet und gefürchtet waren.

Diese tatsächliche Unterteilung existiert heute nicht mehr, eine starke soziale Stratifizierung ist jedoch bis heute in der Gesellschaft zu spüren und die alten Kastenkategorien beeinflussen Gesellschafts- und Arbeitsbeziehungen. V.a. Eheschließungen außerhalb der eigenen Kaste wird viel Widerstand entgegen gebracht.

Es gibt im Senegal auch über mehrere Generationen ansässige „weiße“ Minderheiten wie Mauretanier oder Libanesen. In der Regel sind diese im Handel tätig und oft bewegen sie sich in isolierten Zirkeln und es kommt zu keiner großen Vermischung mit den anderen SenegalesInnen.

Eine Besonderheit des Senegals ist die Dominanz einer einheimischen afrikanischen Sprache. Französisch ist zwar die offizielle Staatssprache, die allgemeine Vehikularsprache ist aber Wolof, das von etwa 90 % der Bevölkerung gesprochen wird. Auch Radio und Fernsehen senden mittlerweile einen beträchtlichen Teil ihrer Programme auf Wolof, sodass einige Ethnien über die schleichende „Wolofisierung“ der senegalesischen Gesellschaft klagen.

Es gibt im Senegal etwa 20 anerkannte und kodifizierte „Nationalsprachen“ («langues nationales»), wobei es für sechs von ihnen (Wolof, Ful/Pulaar, Serer, Soninke, Diola, Mandingue) verstärkte Alphabetisierungsanstrengungen gibt. Trotz diverser Lippenbekenntnisse auf nationaler wie auch internationaler Ebene haben die autochthonen Sprachen jedoch nie den Eingang ins Regelschulwesen geschafft. Die «Nationalsprachen» werden seit Jahren zwischen verschiedenen Ministerien herumgeschoben und findet sich wechselweise bei Kultur oder, wie zurzeit, dem Schulwesen wieder.

Wer sich für die Sprache Wolof interessiert, findet im Internet Wörterbücher, Online – Sprachkurse und eine wolofsprachige Wikipedia.

Bevölkerungsentwicklung

Die Bevölkerungsdichte von 87 Einwohnern/km² (Schätzung für 2021) hat im Fall des Senegals keinerlei Aussagekraft. Im Großraum Dakar, der nur ein Prozent der Fläche des Landes ausmacht, lebt fast ein Viertel der Bevölkerung. Die Küstengebiete und die Gebiete dahinter stellen die am dichtesten besiedelten Landstriche dar, doch je weiter man ins östliche Hinterland vordringt, desto dünner wird die Besiedelung. Während in den Departements Thies, Diourbel, Fatick und Kaolack bei nur 19 % der Fläche etwa zwei Drittel der Bevölkerung leben, sind es in Tambacounda bei etwa 30 % der Fläche nur 6 % der Bevölkerung.

Der Senegal weist einen hohen Grad an Verstädterung auf – allen voran die Metropole Dakar, die eine einzigartige Stellung im Land einnimmt und großen Verkehrs- und Umweltproblemen ausgesetzt ist. Der jährliche Zuzug in die Hauptstadt wird auf etwa 100.000 Menschen geschätzt.

Seit den schlimmen Dürren der 70er Jahre reißt die Landflucht nicht mehr ab. Für das Jahr 2019 wird die städtische Bevölkerung auf 47,7 % angegeben (HDR), mit einer durchschnittlichen Urbanisierungsrate von jährlich 3,73 % für die Jahre 2015-2020, womit der Senegal der Spitzenreiter unter den Staaten Westafrikas ist.

Die Bevölkerung ist in den westlichen Landesteilen, v.a. an der Küste konzentriert. Dakar hat 4.849 Einwohner pro km², während die Bevölkerungsdichte in den östlichen Regionen knappe 15 Einwohner pro km² beträgt.

Nicht nur Bewohner der umliegenden Landstriche wandern in die senegalesischen Städte, sondern auch viele Migranten aus den Nachbarländern.

Die Durchschnittsbevölkerung ist mit 18,5 Jahren sehr jung, im Jahr 2019 waren 8,8 Mio. (von 21,6 Mio.) unter 15 Jahre alt (HDR). 

Soziale Lage

Fast ein Viertel der Bevölkerung lebt unter der absoluten Armutsgrenze und muss mit weniger als einem USD am Tag auskommen. An die 70 % der Bevölkerung sind unter rudimentären und schwierigen Bedingungen in der Landwirtschaft tätig, doch das Überleben in den Dörfern wird immer schwieriger. So ziehen immer mehr in die Städte, wo es jedoch ebenfalls keine Auffangkapazitäten für sie gibt.

Nur ein Bruchteil findet eine reguläre Arbeit im formellen Sektor, die meisten müssen sich mit Gelegenheitsjobs im informellen Sektor durchschlagen oder lassen sich von der Großfamilie durchbringen, wo es immer jemanden gibt, der das Geld nach Hause bringt. Unzählige v.a. junge männliche Senegalesen versuchen, illegal nach Europa zu immigrieren und viele von ihnen finden den Tod im Mittelmeer oder stranden an den Küsten Italiens.

Der informelle Sektor beherrscht die Wirtschaft. Nur die Beschäftigten des formellen Sektors profitieren von der Arbeitsgesetzgebung, der Sozialversicherung oder der staatlichen Rentenversicherung, die an den Standards eines Entwicklungslandes gemessen relativ gut funktionieren. Die Reform der allgemeinen verpflichtenden Krankenversicherung für alle Arbeitnehmer und ihre Familien ist ein wichtiges Projekt der Ära Sall.

Jeden Morgen warten Menschenmengen aus den Vorstädten auf der Zubringerautobahn, um ein Sammeltaxi nach Dakar zu erwischen – viele von ihnen verlassen das Haus vor Sonnenaufgang und kommen erst spät am Abend heim, das ist die Realität vieler Sengalesen.

Gesundheitswesen

Die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung ist sehr schlecht, vor allem außerhalb der Hauptstadt Dakar ist die Gesundheitsversorgung völlig unzureichend. Es gibt ein starkes Stadt-Land- Gefälle und etwa drei Viertel der ÄrztInnen praktiziert in der Hauptstadt Dakar.Krankenhausbetten sind auf dem Land kaum vorhanden.

Die niedrige Lebenserwartung, die hohe Müttersterblichkeitsrate bei Geburten (315 Todesfälle bei 100.000 Geburten, 2015) und die hohe Säuglingssterblichkeit spiegeln diese Defizite wider, so wie auch der ungenügende Zugang der Bevölkerung zu sauberem Trinkwasser (78,5 %, 2015) und zu einer korrekten Sanitärversorgung. Staatliche Impfkampagnen zeigen erste Wirkungen und 2012 lag die Durchimpfungsrate bei Kindern für gängige Infektionskrankheiten bei durchschnittlich 80 %. In den Jahren 2004 und 2005 häuften sich landesweite Choleraepidemien. Malaria ist ganzjährig landesweit verbreitet, wenn auch staatliche Kampagnen zur Benutzung imprägnierter Moskitonetze und weitere Vorsorgemaßnahmen einen drastischen Rückgang der Malaria-Prävalenz bewirkten. Die Hauptursachen der Kindersterblichkeit sind Durchfallerkrankungen und Malaria, Krankheiten also, die bei besserer Prävention und besserer Aufklärung der  Bevölkerung leicht eingeschränkt werden könnten. 2015 wendete der Senegal knapp 4 % % seines Bruttoinlandproduktes für das Gesundheitssystem auf.

Der Senegal versucht, den gefährlichsten Krankheiten wie AIDS, Malaria oder Tuberkulose mit nationalen Bekämpfungsprogrammen Herr zu werden. Sogenannte Zivilisationskrankheiten sind auf dem Vormarsch. Heute sind Herz- Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache im Senegal.

Die HIV Prävalenzrate ist für ein afrikanisches Land niedrig und lag für Erwachsene im Jahr 2019 zwischen 15 und 49 Jahren bei 0,4 %, was u.a. auf die frühe und umsichtige Einführung eines nationalen Aidsbekämpfungsprogramms Mitte der 80er zurückzuführen ist. Zudem ist die Prostitution im Senegal erlaubt und Sexarbeiterinnen unterziehen sich regelmäßigen Gesundheitskontrollen. Dennoch ist die Infektionsquote besonders bei ihnen im Steigen begriffen und variiert innerhalb dieser Risikogruppe mittlerweile zwischen 11 und 30 %. AIDS-Kranke klagen über gesellschaftliche Marginalisierung.

Ende August 2014 wurde der erste Krankheitsfall der in Westafrika grassierenden Ebolaepidemie im Senegal bestätigt, der jedoch erfolgreich isoliert werden konnte. Das senegalesische Gesundheitsministerium konnte die Ausbreitung der Seuche mittels eines nationalen Aktionsplans verhindern.

Neben der westlichen Schulmedizin ist die traditionelle Medizin weit verbreitet, auf die weite Bevölkerungsschichten zurückgreifen. Es gibt auch Bestrebungen, die traditionelle Medizin zu standardisieren und ihre Qualität zu steigern.

Geschlechterverhältnis

Frauen sind bis heute im familiären, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Bereich benachteiligt. Ein junges Mädchen bleibt (traditionell) so lange unter der Vormundschaft ihres Vaters, bis sie unter die Obhut ihres Ehemannes gestellt werden kann, der nunmehr die Rolle des Familienvorstandes (Wolof: „borom ker – Herr des Hauses) einnimmt. Traditionell steht die (muslimische) Frau Zeit ihres Lebens unter der „Obhut“ eines männlichen Familienmitglieds; erst mit dem Aufsplittern hergebrachter Strukturen beginnt sich auch hier langsam etwas zu ändern. Gleichzeitig hat die Frau aber innerhalb dieser überlieferten Strukturen eine starke Rolle: Traditionell ist die Frauen- und Männersphäre stark getrennt und die Frauen organisieren sich in Verbänden, Sparvereinen (Tontines), organisieren Zeremonien und beherrschen den Klein- und Gemüsehandel. Ihre Einkünfte verwendet die Frau normalerweise frei für sich, während der Ehemann für die Haushaltsausgaben zuständig ist (doch auch dies hat sich in Zeiten des wirtschaftlichen Prekariats geändert).

Mädchen werden bis heute oft sehr früh verheiratet: Fast ein Drittel der Mädchen werden vor ihrem

18. Geburtstag und 9 % vor ihrem 15. Geburtstag verheiratet. Trotz des gesetzlichen Verbots wird weiterhin von einigen Ethnien die weibliche Genitalverstümmelung (FGM) betrieben. Gegen beide Praktiken wird aktiv im ländlichen Bereich mit Kampagnen vorgegangen.

Die Polygamie ist gesetzlich erlaubt, prinzipiell muss zwar jedes Paar, d.h. Mann wie auch Frau, bei der Eheschließung gemeinsam für Mono- oder Polygamie votieren, in der Praxis ist es der Frau aber kaum möglich, ihren Willen gegen den des Mannes durchzusetzen.

Das Familienrecht stammt aus dem Jahr 1973 und benachteiligt Frauen immer noch in einigen Bereichen, wie z.B. bei Scheidung und Sorgerecht, räumt ihnen aber dennoch wesentlich mehr Rechte als das traditionelle Recht ein. 2003 gab es einen Vorstoß einer islamischen Vereinigung (CIRCOF), parallel dazu ein schariabasiertes Familienrecht einzuführen, das für die muslimische Bevölkerung gelten sollte. Zum Glück war diesem Vorhaben kein Erfolg beschieden, da es sicherlich zu einer gewissen Spaltung der Gesellschaft geführt hätte.

Doch auch was das geltende Recht angeht, kennen viele Frauen ihre Rechte nicht oder wagen es nicht, sie gegen die Widerstände der Familie oder des sozialen Verbands durchzusetzen. Zahlreiche Organisationen versuchen Frauen dabei zu unterstützen, ihre Rechte wahrzunehmen.

Neben der Tradition ist es v.a. die mangelnde Schulbildung und Analphabetismus, der Frauen den Aufstieg verwehrt. Viele Familien schicken eher die Jungen zur Schule oder die Mädchen brechen die Schule frühzeitig ab, oft aufgrund von Verheiratung oder früher Schwangerschaft. Im Senegal gehen nur 15 % aller Mädchen in die Sekundarschule (Quelle: UNICEF). Organisationen wie FAWE oder die UNICEF engagieren sich für die Schulbildung von Mädchen.

Wenn Frauen auch im Allgemeinen in allen Sphären immer noch unterrepräsentiert sind, ist ihnen der Zugang zu den höchsten Sphären nicht verwehrt und man findet einfach das weltweite Phänomen der Unterrepräsentierung von Frauen wieder. Es gibt Diplomatinnen, Ministerinnen, Generaldirektorinnen und Großunternehmerinnen. Im Mai 2010 verabschiedete die senegalesische Nationalversammlung allerdings ein bahnbrechendes Gesetz, das die Geschlechterparität in den gewählten Institutionen sicherstellen soll. Seine Auslegung ist die strengste auf dem afrikanischen Kontinent und wenn eine Partei nicht ebenso viele Frauen wie Männer auf ihrer Liste präsentiert, kann sie nicht an den Wahlen teilnehmen. Dieses Gesetz führte dazu, dass der Senegal im weltweiten Vergleich des Frauenanteils in Parlamenten im Jahr 2020 an 11. Stelle und in Westafrika mit großem Abstand führend ist.

Ohne diese gesetzlichen Festschreibung der politischen Partizipation würde der Senegal in internationalen Vergleichen zu Geschlechterverhältnissen wie dem Global Gender Gap Report 2020 (Rang 99 von 153) oder dem Gender Inequality Index im Human Development Report 2020 mit Daten zum Jahr 2019 (Rang 130 von 160) jedoch noch schlechter abschneiden.

Familie

In der senegalesischen Gesellschaft werden familiäre Bindungen groß geschrieben, wobei es sich um die erweiterte Großfamilie handelt. In einem Land, in dem es so gut wie keine staatliche soziale Vorsorge für die BürgerInnen gibt, bedeutet die Großfamilie gleichzeitig auch sozialen Rückhalt, Altersvorsorge und Krankenversicherung.

Respekt vor dem Alter ist ein grundlegender Wert. Sehr wichtig ist auch der Begriff der Altersklasse (Wolof: „morom“ – ein Gleichgestellter, Ebenbürtiger). Männer und Frauen derselben Altersklasse, die gemeinsam groß geworden sind, sind sich besonders verbunden.

Wichtig sind auch gemeinsam zelebrierte Zeremonien, die den Zusammenhalt der Großfamilie und der Nachbarschaft/des Dorfes festigen: die Geburt (Taufe und Namensgebung), Heirat, Tod und Begräbnis werden unabhängig von Ethnie und Religion in großem Ausmaß begangen.

Der Autor der Landesinfo vom Senegal ist Alexander Ohle. Er studierte Geographie, Politische Wissenschaft und Entwicklungssoziologie. Nachdem das Länderportal im Juli 2021 haben wir mit der GIZ die Fortführung auf unseren Tourismusseiten besprochen. Wir freuen uns über Anregungen und Bildmaterial.